C64 II 1987

Erschienen in: Techniktagebuch, 13.03.2014

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Kategorie: Crosspost

Gedruckte Bedienungsanleitungen für Software waren in der DDR ein wirksamer Kopierschutz – Crosspost aus dem Techniktagebuch

Ich habe 1987 meinen ersten Computer gekauft, einen C64 II – das war ein normaler C64 in einem anderen, hellgrauen Gehäuse. Das hatte den Vorteil, dass man die Disketten, die man fürs Hin- und Herkopieren brauchte, in der Zeit dazwischen in die Lüftungsschlitze stecken konnte. An weitere Vorteile kann ich mich aber nicht erinnern. Mit dem Rechner bekam ich ein externes Floppylaufwerk VC 1541C und ich glaube 30 Disketten mit Spielen (an diesem letzten Punkt ist die Erinnerung verschwommen, es können auch mehr gewesen sein). Alles kostete 2.000 Mark der DDR, was ein wirklich guter Preis war.

Den guten Preis bekam ich, weil der Vater eines Klassenkameraden, der mit geschmuggelten C64 handelte, die DDR-Steuerfahndung oder sonst irgendwen am Hacken hatte, der sich für sein illegales Tun interessierte, und sehr schnell sein Lager räumen wollte. Vom auf dem Schulhof zugeraunten Angebot bis zum Geld erbetteln bei meinem Vater und der Übergabe am Gartentor des Klassenkameraden vergingen nur wenige Stunden.

Doch will ich auf etwas anderes hinaus. Die Spiele waren selbstverständlich Schwarzkopien, originale Spieldisketten kannte ich gar nicht. Man ging zu einem Bekannten und kopierte, was einem gefiel. Das hatte einen Nachteil: Es gab keine Anleitungen zu den Spielen. Damals lagen Anleitungen den Verpackungen als gedrucktes Buch bei, was in der DDR ein effektiver Kopierschutz war. Denn zwar war es möglich, Disketten in ausreichender Zahl zu schmuggeln, beziehungsweise im Intershop zu kaufen und ich hatte auch mindestens zwei Bekannte mit einem C 64. Kopiergeräte hingegen waren im Osten praktisch nicht vorhanden. Die existierten nur als Nasskopierer an Schulen oder in Betrieben und taugten nicht, um gebundene Bücher zu vervielfältigen.

So hatte ich ein Hubschrauberspiel, ich glaube “Airwolf”, das ich liebte, aber nicht steuern konnte. Es gelang mir nur, den Hubschrauber zu starten und durch die Gegend zu fliegen. Aber ich konnte weder landen, noch die Waffen korrekt bedienen. Ähnliche Probleme hatte ich mit “Ace of Aces” und anderen Games. Ich war nicht der einzige. Ich erinnere mich an viele Gespräche auf dem Schulhof, die sich allein darum drehten, wer gerade welche Tastenkombination ausprobiert und welche neue Funktion entdeckt hatte. “Maniac Mansion” taugte für monatelangen Rätselspaß, da niemand die Lösung kannte.

Erschienen im Techniktagebuch.